Berliner Feuerwehr: 800 Feuerwehrleute fehlen für Einsätze

Die Zahl der Überstunden bei der Berliner Feuerwehr steigt auf ein Rekordniveau von mehr als 570.00. Personal fehlt an allen Ecken und Enden. Und die Einsatzzahlen steigen.

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Großbrände, wie hier in Schöneberg, bringen die Berliner Feuerwehr immer wieder an die Belastunsgrenze. Hinzu kommt die Belastung einer Hauptstadt-Feuerwehr. Foto: Berliner Feuerwehr/ Spreepicture
Großbrände, wie hier in Schöneberg, bringen die Berliner Feuerwehr immer wieder an die Belastunsgrenze. Foto: Berliner Feuerwehr/ Spreepicture

Berlin – Bei der Berliner Feuerwehr fehlen offenbar mehr als 800 Feuerwehrleute. Das geht nach Angaben der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft (DFEuG) aus einer aktuellen Studie hervor. Die hohe Zahl an fehlenden Einsatzkräften sei eine der wichtigen Ursachen für die immer weiter steigende Zahl an Überstunden bei der Berliner Feuerwehr. Allein 2016 wurden bei der Berliner Feuerwehr mehr als 570.000 Überstunden geleistet.

Hat Senat Zahl der Überstunden geschönt?

Die DFEuG mahne seit vielen Jahren den Anstieg der Überstunden bei der Berliner Feuerwehr an, so Sprecher Michael Quäker auf Nachfrage des Feuerwehrmagazins „Alles Feuerwehr!“. Sein Vorwurf an die Berliner Senatsverwaltung für Innere: „Die Zahlen sind seit Jahren schon geschönt, da die ausbezahlten Überstunden nicht erwähnt werden. Im Durchschnitt sind dies 80.000 im Jahr.“

Berliner Feuerwehr: 1.500 Einsätze pro Tag

Die Einsatzzahlen in Berlin  würden seit Jahren permanent steigen. Laut Quäker hat die Berliner Feuerwehr im Schnitt 1.500 Einsätze pro Tag. Vor 5 Jahren seien es  1.000 Einsätze pro Tag gewesen. „Mehr Personal gab es aber nicht. Der Politik ist bereits seit 10 Jahren bekannt, das jährlich 5 Rettungswagen inklusive Personal in den Dienst gestellt werden müssten, um dem Einsatzaufkommen gerecht zu werden“, sagte Quäker. Dies würde einen Mehrbedarf an Personal von 30 Feuerwehrleuten pro Jahr entsprechen. Durch neue Verteilungen von Fahrzeugen bemühten sich die Berliner Feuerwehr und die Politik zwar, die Belastung zu vermindern. Quäker: „Leider hat dies nur mäßigen Erfolg gezeigt, was der durchschnittliche Krankenstand von über 15 Prozent belegt.“

Neue Fahrzeuge aber kein zusätzliches Personal

„Derzeit wird mit der Hilfsbereitschaft der Kollegen gespielt, um die Fahrzeuge zu besetzen. Dadurch werden erhebliche Überstunden produziert“, sagt der Gewerkschafter weiter. So habe seien im April 2017 weitere Fahrzeuge in den Dienst gestellt worden, obwohl man bereits wusste, dass es dafür bei der Feuerwehr in Berlin 9 Prozent zu wenig Personal gebe. „Von Anfang an gehen also Behördenleitung und Politik davon aus, dass das fehlende Personal durch Überstunden ausgeglichen wird.“

Noch mehr Überstunden bei der Berliner Feuerwehr?

Die DFEuG befürchtet nun, dass der Überstundenstand bei der Berliner Feuerwehr zum Jahresende nochmals erheblich ansteigen wird. „Um die Einhaltung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden kümmern sich Behördenleitung und Politik seit Jahren nicht mehr. Hier wird der Verschleiß der Kollegen berechnend in Kauf genommen“, kritisiert Michael Quäker.

Gleichzeitig habe aber dem Gewerkschafter zufolge die Behördenleitung der  Berliner Feuerwehr angekündigt, längerfristig erkrankte Feuerwehrleute frühzeitig in den Ruhestand schicken zu wollen. „Damit wird der Druck auf die Kollegen erhöht.“

Auch in den rückwärtigen Bereichen der Feuerwehr Berlin steige die Zahl der Überstunden massiv an, „weil in diesen Bereichen in den letzten Jahren massiv Stellen weggestrichen wurden“. Hinzu kommt, dass bei der Berliner Feuerwehr mehr als 140 verfügbare Stellen unbesetzt sind.

 

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