Berlin – Bei der Berliner Feuerwehr brennt es offenbar gewaltig. Die Feuerwehrleute in Berlin haben 2016 weit mehr als eine halbe Million Überstunden leisten müssen. Genau 575.302 Überstunden haben die Beamten und Angestellten der Berliner Feuerwehr im vergangenen Jahr angehäuft. Die jetzt bekannt gewordenen Zahlen, die aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervorgehen, verdeutlichen, wie extrem die Belastung für Feuerwehrleute bei der Berliner Feuerwehr gestiegen ist. Denn 2013 lagen die geleisteten Überstunden noch bei „nur“ 356.923.

Werden Überstunden bei der Berliner Feuerwehr bezahlt?

Bezahlt wurden von den 2016 angefallenen Überstunden bisher nur 72.710. Auch die Zahlen der vergangenen Jahre belegen, dass den Angehörigen der Berliner Feuerwehr ihre zu viel gearbeitete Zeit längst nicht komplett ausgeglichen wurde. Denn allein für 2013 stehen noch mehr als 200.000  Überstunden ohne bisher erfolgte Vergütung im Raum. Und genau da gesteckt der Teufel offenbar im Detail. Passen die Angehörigen der Berliner Feuerwehr nicht genau auf, verfällt ihr Anspruch auf Auszahlung der von ihnen geleisteten Überstunden. Aus der Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Inneres geht nämlich hervor, dass „die Dienstkräfte aufgrund der maßgeblichen Verjährungsfristen drei Jahre Zeit haben, um einen
finanziellen Ausgleich in Anspruch zu nehmen“.

Für FDP-Mann Luthe grenzt das an einen Skandal: „Nicht nur, dass die Mitarbeiter der Feuerwehr irrwitzig viele Überstunden geleistet haben und weiter leisten müssen. Dieser Senat, der die Sicherheit nicht gewährleisten kann, hat auch noch die Stirn, sich trotz gegenteiliger Ankündigung auf Verjährung zu berufen, um die Überstunden nicht zu bezahlen?“ Immerhin bietet sich für das chronisch klamme Berlin so ein finanzielles Schlupfloch. Denn pro Jahr schlägt die Vergütung von Überstunden mit einer Summe von zwischen 1,6 und 2,3 Millionen Euro zu Buche.

Wie viele Stellen sind bei der Berliner Feuerwehr frei?

Aber wie kann man das Problem mit den Überstunden bei der Berliner Feuerwehr lösen? Luthe  sieht nur eine Möglichkeit. Er schlägt dazu einen sauberen Schnitt vor. „Die Überstunden müssen auf Null gesetzt werden“, sagte er gegenüber dem Feuerwehrmagazin „Alles Feuerwehr!“. Zudem müssten die Arbeitsbedingungen zügig verbessert werden. Dazu zählt für Luthe, dass mehr Stellen geschaffen und freie Stellen bei der Berliner Feuerwehr besetzt werden. Rund 140 Arbeitsplätze sind derzeit frei – eine Rekordzahl seit 2008. Will etwa niemand in Berlin Feuerwehrmann werden?

„Es sieht so aus“, meint Luthe. Das führt er auf die Konditionen zurück, mit denen Berlin junge Feuerwehrleute lockt – oder eben nicht. Dem FDP-Abgeordneten zufolge seien Feuerwehrleute in Berlin finanziell schlechter gestellt als Normalverdiener. „Auch wenn klar ist, dass Idealisten zur Feuerwehr gehen, also nicht die, die reich werden wollen, ist der Beruf bei der Berliner Feuerwehr nicht mehr attraktiv“, sagt Marcel Luthe. Hinzu kämen die besonderen Belastungen in der Bundeshauptstadt.  Luthe nennt als Beispiel die permanente Gefahr von Terroranschlägen wie auf dem Breitscheidplatz im Dezember 2016.

 

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