Feuerwehren fehlen die Fahrer

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FREITAL – Deutschlands Feuerwehren stehen vor einem erheblichen Problem: Immer weniger Mitglieder haben einen Führerschein, um große Löschfahrzeuge fahren zu dürfen. Für die Autos fehlen schlicht die Fahrer. Unter anderem der Wegfall der Wehrpflicht bringt es mit sich, dass etwa junge Männer keine Fahrerlaubnis für Lkw mehr machen. Das war bei der Bundeswehr häufig unproblematisch möglich. Vielen Gemeinden fehlt zudem das nötige Geld, das sie für private Fahrschulen benötigen, um Fahrer für die Feuerwehrautos ausbilden zu lassen. Der normale Führerschein für Pkw, der früher für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen galt, reicht längst nicht mehr aus. Nur bis 3,5 Tonnen dürfen mit der Klasse B gefahren werden. Der Effekt: Die Einsatzbereitschaft vieler Feuerwehren ist in Gefahr, weil die Fahrer fehlen. Wie große die Not in den Feuerwehren ist, zeigen einige Beispiele: Bei Freital in Sachsen hat eine Gemeine jüngst den Verkauf eines Löschgruppenfahrzeugs LF 8/6 beschlossen. Im Landkreis Schwandorf in Bayern wurde ein sogenannter Feuerwehrführerschein eingeführt.

Fahrer fehlen, Löschfahrzeug wird verkauft

45.000 Euro soll der Verkauf des LF 8/6 in die Freitaler Stadtkasse spülen, das seit 15 Jahren im Stadtteil Pesterwitz stationiert ist. Doch Fahrer  gibt es für das Löschfahrzeug dort seit langer Zeit keine mehr. Über das Internet soll das Auto jetzt versteigert werden. Die Kameraden in Pesterwitz haben als Ersatz und für ihre Einsatzbereitschaft ein kleines, leichteres Fahrzeug bekommen, schreibt die „Sächsische Zeitung“ auf ihrem Online-Portal.

Kleiner und großer Feuerwehrführerschein

In Bayern geht man da andere Wege: Im Landkreis Schwandorf etwa werden Feuerwehrmitglieder, die eine Fahrerlaubnis für  Pkw haben, auf Einsatzwagen der Feuerwehr geschult. So können sie den Feuerwehrführerschein machen. Den gibt es in der kleinen Ausführung bis 4,75 Tonnen und als große Variante bis 7,5 Tonnen. Rund 60 Einsatzkräfte haben den Feuerwehrführerschein laut  Landratsamtes bereits absolviert, schreibt die Mittelbayrische Zeitung. Die rechtlichen Grundlagen habe der Freistaat nach einem österreichischen Vorbild schon im September 2011 geschaffen. Vier Ausbilder und Prüfer seien geschult worden. Sie nehmen den Aktiven die Prüfung für die jeweiligen Einsatzfahrzeuge der örtlichen Feuerwehr ab. Gefahren werden darf aber damit nur bei Einsätzen. Die Prüfungsfahrt dauert eine Stunde und wird auf der Autobahn sowie in der Stadt gemacht. Aber ohne Blaulicht.

Land fördert Ausbildung

Ähnlich will man dem Problem fehlender Fahrer für Löschfahrzeuge auch in Sachsen-Anhalt begegnen. Das Land beteiligt sich an der Finanzierung von Feuerwehrführerscheinen der Klasse C 1. Im  Jahr 2012 wurden dazu 10.000 Euro und  ein Jahr später  40.000 Euro in den Nachtragshaushalt des Landes eingestellt. „Ich freue mich über den gelungenen Schulterschluss mit dem Verkehrsministerium. Nach einer regulären Fahrschulausbildung besteht mehr Sicherheit beim Führen der Fahrzeuge bei Einsatzfahrten. Dies war uns wichtiger als rechtlich nicht abgesicherte Lösungen. Denn Sicherheit geht vor“, betonte Innenminister Holger Stahlknecht.

Vier Feuerwehrleute sterben bei Glindenberg

Verkehrsminister Thomas Webel hat sich zufrieden darüber geäußert, dass es keine „Schnellbesohlung“ im Zusammenhang mit dem Führerschein für freiwillige Feuerwehren im Lande geben wird. „Nach dem schweren Feuerwehrunfall im Juni 2006 zwischen  Wolmirstedt und Glindenberg im Bördekreis, bei dem vier Feuerwehrleute starben, damals war ich noch Landrat, war es für mich keine Frage, dass die Fahrer von Einsatzfahrzeugen eine gründliche Ausbildung erhalten müssen. Dafür habe ich mich – auch gegen Widerstände – stark gemacht.“ Der Name „Feuerwehrführerschein“ sei deshalb nicht zutreffend. „Es handelt sich um einen ganz normalen Führerschein, durch den die Kameraden in die Lage versetzt werden, ein Blaulichtfahrzeug zu führen.“ Insofern werde mit diesem Führerschein, der auch privat genutzt werden könne, ein Anreiz zur Stärkung des Ehrenamtes geschaffen, betonte Webel.

 

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