Marne: Nach Feuerwehrunfall schonungsloser Bericht der Unfallkasse

Die FUK Nord hat nach dem Atemschutzunfall von Marne die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zur Ursache für den Tod von Feuerwehrmann Stefan Diekmann veröffentlicht.

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Ein Feuerwehrmann ist in der Innenstadt von Marne bei einem Großbrand ums Leben gekommen. Foto: Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein
Ein Feuerwehrmann ist in der Innenstadt von Marne bei einem Großbrand ums Leben gekommen. Foto: Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein

Marne – Der Atemschutzunfall bei der Feuerwehr Marne, bei dem im Dezember 2015 der damals 31 Jahre alte Feuerwehrmann Stefan Diekmann beim Brand eines Wohnhauses ums Leben kam, wird zehn Monate nach dem Unglück Stück für Stück aufgeklärt. In ihrem schonungslosen Bericht kommt die Feuerwehrunfallkasse (FUK) Nord zu dem Schluss, dass vor dem Tod des Feuerwehrmannes „den eingesetzten Feuerwehrangehörigen der FF Marne im Laufe der Einsatzvorbereitung und des Einsatzes mehrere Fehler unterlaufen sind“, so ein Auszug aus dem Originaltext des Untersuchungsberichtes.

Feuerwehrmann sendete „Mayday“

Lange waren die Umstände, die am 6. Dezember 2015 in Marne zu dem schweren Feuerwehrunfall führten ungeklärt. Stefan Diekmann, ein erfahrener Feuerwehrmann, der seit 13 Jahren Atemschutzgeräteträger war, war in einem von 3 Trupps im Innenangriff eingesetzt. Der Notruf „Mayday, Mayday, Mayday!“ war das letzte, was seine Kameraden nach einer Durchzündung von dem Gruppenführer und Gerätewart hörten. Minuten später holte ein Rettungstrupp der Feuerwehr Marne den leblosen Körper aus dem Dach des Hauses. Stefan Diekmann war bereits tot.

In dem Bericht der FUK heißt es, dass sich die Fehler „in Verstößen gegen Feuerwehr-Dienstvorschriften und Unfallverhütungsvorschriften sowie Missverständnissen und falschen Einschätzungen der Lage“ geäußert hätten. Dabei hätte es sich noch nicht einmal um schwere Fehler oder Verstöße gehandelt. Vielmehr führten laut der FUK die Summe und die Verkettung und vor allem die Fehler von Feuerwehrmann Stefan Diekmann selbst zu dem tödlichen Unfall.

Die FUK Nord merkt aber an,  „dass es einen fehlerfreien Einsatz nicht gibt“. Auch hätten nicht alle erkannten Fehler zum Tod von Stefan Diekmann geführt. Für eine wirksame Prävention sollen aber alle Probleme während des Großbrandes in Marne öffentlich ausgewertet werden.

Fehler in Marne schon bei der Erkundung

Die Kette der Fehler habe nach dem Bericht der FUK schon zu Beginn des Einsatz ihren Lauf genommen. Es „fand keine ausreichende Erkundung des Brandobjektes statt. Dies war der Größe und Unübersichtlichkeit des Gebäudes geschuldet. Ein Einblick in alle Bereiche war von außen nicht möglich. Dennoch fehlten dadurch wichtige Erkenntnisse über das Objekt“, so die FUK. Diekmann sei im zweiten LF eingetroffen. Sein Trupp habe sich nach dem Einsatzbefehl jedoch nicht bei der Atemschutzüberwachung gemeldet und auch keine eigene Schlauchleitung mitgeführt.

Fehler gab es laut FUK in der Folge auch beim Vorgehen. „Die Trupps liefen am Feuer vorbei. Darüber hinaus meldeten sie ihr Vorgehen weder der Einsatzleitung noch der Atemschutzüberwachung …“. Im Dach des brennenden Hauses wurden die Trupps neu durchmischt. Das führte offenbar später zu einer Irritation, ob tatsächlich alle Feuerwehrleute das Gebäude verlassen hatten.

Weiter heißt es in dem Bericht zum Feuerwehrunfall von Marne:

  • Schlauchleitung und Strahlrohr wurden nicht mit in alle Räume genommen, vermutlich, weil die Leitung nicht lang genug war. Eine Schlauchreserve und eine Schlauchsicherung im Treppenhaus waren nicht vorhanden. Dadurch konnte kein ständiger Kontakt zur Schlauchleitung als Rückzugssicherung gewährleistet werden. Dem Trupp mit Stefan Diekmann fehlte der Kontakt zur Schlauchleitung und der Kontakt zum jeweils anderen Truppmitglied. Dieser Umstand habe dazu geführt, dass sich der Feuerwehrmann nach der Durchzündung im Dachgeschoss verirrte.
  • Da beim weiteren Vorgehen in das Dachgeschoss die Position der Trupps nicht genau bekanntgegeben wurde, konnte der Verunglückte bei der Atemschutznotfall-Rettung nicht zügig lokalisiert werden.

Die Untersuchung des Atemschutzgerätes von Stefan Diekmann ergab, dass dieses einwandfrei funktionierte. Auszug: „Das Atemschutzgerät des Verstorbenen wurde bei der Untersuchung mehrfach mit vollen Atemluftflaschen bestückt und ein Atemschutzeinsatz wiederholt mit verschieden schwerer Arbeit mit unterschiedlich starker Veratmung simuliert. Das Gerät absolvierte die Prüfungen einwandfrei.“

Im Sicherheitsbrief Nummer 40 der FUK Nord wird der Eigenunfall konkret ausgewertet. Darin enthalten sind auch Ableitungen und Empfehlungen für die Prävention. Ableitungen und Empfehlungen für die Prävention.

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